Selbsthilfegruppe
Unterstützung von Betroffenen für Betroffene
Selbsthilfegruppen sind für viele Menschen eine wertvolle Möglichkeit, mit Herausforderungen nicht allein zu bleiben. Dieser Beitrag zeigt, was sie sind, für wen sie geeignet sind und wie du eine passende Gruppe findest.
Was ist eine Selbsthilfegruppe?
Eine Selbsthilfegruppe ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, Erkrankungen oder Lebenssituationen.
Im Mittelpunkt stehen:
- gegenseitige Unterstützung
- offener Austausch
- gemeinsames Lernen aus Erfahrungen
Wichtig: Selbsthilfegruppen werden in der Regel nicht von Fachpersonal geleitet, sondern von den Teilnehmenden selbst organisiert.
Wer kann eine Selbsthilfegruppe besuchen?
Selbsthilfegruppen stehen grundsätzlich allen offen. Häufige Themen sind:
- Körperliche Erkrankungen (z. B. Krebs, Diabetes)
- Psychische Belastungen (z. B. Depressionen, Angststörungen)
- Suchtprobleme (z. B. Alkohol, Medikamente)
- Lebenskrisen (z. B. Trauer, Trennung)
- Angehörigen-Gruppen (z. B. für Familienmitglieder von Betroffenen)
Es sind keine Vorkenntnisse oder Voraussetzungen nötig – nur die Bereitschaft, sich auszutauschen.
Wann ist eine Selbsthilfegruppe hilfreich?
Der Besuch kann besonders unterstützend sein, wenn:
- du Dich allein oder unverstanden fühlst
- du mit Menschen sprechen möchtest, die Ähnliches erlebt haben
- praktische Tipps aus dem Alltag suchst
- emotionale Unterstützung brauchst
- du langfristig an Deiner Situation arbeiten möchtest
Viele Betroffene erleben Selbsthilfegruppen als Ort von Verständnis, Entlastung und neuer Hoffnung.
Wann ist eine Selbsthilfegruppe nicht ausreichend?
Selbsthilfegruppen haben Grenzen. Sie sind nicht immer die richtige oder einzige Hilfe.
Nicht geeignet oder ausreichend sind sie bei:
- akuten psychischen Krisen (z. B. Suizidgedanken)
- schweren gesundheitlichen Notfällen
- dem Wunsch nach schneller, professioneller Behandlung
- unangenehmer Gruppendynamik oder fehlender persönlicher Passung
In solchen Fällen ist es wichtig, zusätzlich oder zuerst professionelle Hilfe (Ärzt:innen, Psychotherapie, Beratungsstellen) in Anspruch zu nehmen.
Ursprung der Selbsthilfegruppen
Die moderne Selbsthilfebewegung entstand im 20. Jahrhundert. Ein zentraler Ausgangspunkt war die Gründung der Anonymen Alkoholiker (1935 in den USA). Ihr Prinzip – Betroffene helfen Betroffenen – verbreitete sich weltweit. In Deutschland entwickelten sich Selbsthilfegruppen besonders seit den 1970er Jahren und sind heute ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsversorgung.
Wo finde ich eine passende Selbsthilfegruppe?
Es gibt verschiedene Wege, eine geeignete Gruppe zu finden:
Lokale Möglichkeiten
- Selbsthilfekontaktstellen
- Beratungsstellen vor Ort
- Ärzt:innen und Therapeut:innen
Online-Angebote
- Selbsthilfe-Datenbanken
- Webseiten von Verbänden und Organisationen
- Online-Selbsthilfegruppen (z. B. Foren oder Videotreffen)
Weitere Anlaufstellen
- Krankenkassen
- soziale Einrichtungen
Tipp: Der erste Besuch ist meist unverbindlich. Es ist völlig in Ordnung, mehrere Gruppen auszuprobieren.
Auf einem Blick
Selbsthilfegruppen sind eine niedrigschwellige und wirkungsvolle Möglichkeit, Unterstützung zu finden und sich mit anderen auszutauschen. Sie können helfen, neue Perspektiven zu entwickeln und sich weniger allein zu fühlen. Sie ersetzen jedoch keine professionelle Behandlung, wenn diese notwendig ist.
Wichtig ist, sich Unterstützung zu suchen, die zur eigenen Situation passt.
Hinweis: Wenn du dich in einer akuten Notlage befindest oder das Gefühl hast, nicht mehr weiterzuwissen, hole dir bitte sofort Unterstützung:
- Notruf: 112
- TelefonSeelsorge (kostenfrei, rund um die Uhr): 0800 111 0 111 · 0800 111 0 222 · 116 123
- Krisenchat (für junge Menschen): www.krisenchat.de (per WhatsApp oder SMS)
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117
Du musst diese Situation nicht allein bewältigen – Hilfe ist jederzeit erreichbar.
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